Da ich kein Freund von großen Worthülsen bin lasse ich nun endlich meinen Worten Taten folgen und werde den Ride fahren. Einige Personen wussten schon, dass ich vom „IronButt“ geschwärmt habe, und ich will mich ja nicht durch Untätigkeit blamieren.

Nachdem ich meinen GEA(*) im "ShadowClubGermany" beim Stammtisch Brandenburg am 14.09.2024 abgeschlossen hatte, kam mir wieder der IronButt der IBA in den Sinn. Das Wetter soll zur Wochenmitte wieder besser, und deutlich wärmer werden. Ich hatte noch den Fahrtwind vom Sonntag in der Nase und ganz entscheidend; ich hatte keine Zipperlein nach den 1.400 km nach Neuruppin und zurück.
Also, wie gesagt, der Ride wird gemacht.
(*) GoldenerEisenArsch

Am Mittwoch, den 17.09.2024 um 20:30 lag ich im Bett und lies mir nochmal kurz alles durch den Kopf gehen.
Ölstand, Reifendruck, USB Ladegerät am 12V Stecker, Heizmatten an den Griffen und ganz wichtig, - mein Maischefass auf dem Sozius.
Die absolut hervorragend abnehmbare LowBudget Rückenlehne, die ich schon in den Alpen lieben lernte!
Ich habe Abends gut gegessen, habe mir 2 Liter Pfefferminztee gekocht und 4 Paar Wiener Würstchen bereitgelegt. Dazu gab es noch Magnesium Lutschtabletten, sowie 3 Dosen RedBull und
saure Drops.
Der Tip kam von "Texas", Bernd, unserem IronButt im SCG, die Dinger sollen wach halten.
Und morgen koche ich mir einen Kaffee für die Thermokanne.
Ich war trotz gewisser Aufregung schnell eingeschlafen
Mittwoch, 18.09.2024 ; 01:45 der Wecker klingelt.
Aufstehen, erstaunlich fit, Kaffee kochen, warm anziehen; -es geht in den frühen Morgenstunden durch die Eifel, und die ist immer für Überraschungen gut. Alles in
das Moped packen und los geht’s zum Startpunkt meiner „kleinen Ausfahrt“, die Tankstelle in Hassloch, 3 Kilometer von meinem Haus entfernt. Diese Tankstelle soll spätestens in 23:59
Stunden der Endpunkt meiner Ausfahrt sein.
Von Hassloch(RLP) nach Freisen (Saarland.)
Abfahrt, 2:47, Strecke 116km, 1:12 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft 03:59

Um 02:47 habe ich mein Benzin bezahlt, , Foto gemacht, nochmal alles geprüft, die letzte Zigarette geraucht, alles an mir abgedichhtet und bin in die Nacht gefahren.
In 24 Stunden muss ich wieder hier stehen, mit mindestens 1.600 km mehr auf der Uhr und mindestens 16 Tankquittungen. Zusätzlich habe ich noch den 16/24 Ride dazu genommen, 16 Bundesländer in 24 Stunden. Aus
jedem Bundesland also eine Tankquittung sowie die Schlusstankrechnung als Zielbeweisfoto.
Anschließend wird die dokumentierte Fahrt mit einer IBA Nummer zertifiziert.
Und dann, erst dann habe ich das Recht mich "IronButt" zu nennen und die entsprechenden Utensilien dieser kleinen Mopedfahrer Clique zu verwenden.
Meine längste Strecke waren bisher maximal 1.000 km am Stück auf meiner VT.
Körperlich ging es, jedoch machte sich irgendwann Müdigkeit bemerkbar. Und dann heist es grundsätzlich, ohne Ausnahme : "Runter vom Bock und Pause, oder ins Hotel." Punkt.
Alles andere ist russisches Roulette.
Die andere Frage ist, ob mein Rollator die Strecke ohne Probleme durchhält.
Sie ist ja keine Rennsemmel, oder gut motorisiert wie meine VF570c RC09 mit der ich auch etwa 100.000 Kilometer abgespult habe.
Da war ich aber auch noch 20 Jahre jünger .

Nun bin ich auf der Bahn. Was mache ich eigentlich hier ? In aller Frühe sitze ich auf dem Moped, beobachte den am Himmel stehenden Mond, mit dem Gedanken; Morgen früh sehe ich dich wieder hier. Also mindestens viele Stunden habe ich eingeplant. Wenn man bedenkt, dass mancher Arbeitstag auch 19 – 20 Stunden dauerte, bevor wir auf 10 Stunden beschränkt wurden, sollte die Therapie auf dem Moped für 24 Stunden erträglich sein.
Aus der Rheinebene geht es in den Pfälzer Wald, wobei die Temperaturen sich nicht wesentlich veränderten. Nach 112 Kilometer erreiche ich das erste Etappenziel im Saarland. Meine erste Betankung.
Aber, niemand da. Ein großes Schild, „24StundenService“, aber die Benzinpumpen sind deaktiviert und im Verkaufsraum brennt nur ganz dezente Nachtbeleuchtung.
Fehlalarm? Sollte ich hier schon den ersten Fehlschlag erleben, der mich zwingt auf der Landstraße tiefer ins Saarland an eine Tankstelle zu fahren, die auch noch auf hat und ich mich immer
weiter von dieser Tankstelle- und damit von der Autobahn entferne ?
Ich beginne am Schalter zu klingeln.
Nach mehrfachem Klingeln kam dann endlich ein Mädchen ans Mikrofon und entschuldigte sich dass die auf der Toilette war. Ein klein bisschen schlechtes Gewissen hatte ich schon, ich habe ja
nicht nur einmal geklingelt 😉
Etappe 020
Freisen => Rasthof Eifel Ost
Abfahrt, 3:59, Strecke 97km, 1:01 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 05:00
Bisher gefahren: 213 Km

Ich habe bemerkt, dass mein Handy zu langsam lädt, und der Akku merklich an Ladung verliert. Bevor ich starte habe ich den USB Stecker für den Zigarettenanzünder ausgetauscht, um eine halbwegs
vernünftige Navigation zu haben.
Zum Glück hatte ich noch einen anderen im Gepäck vom Urlaub in den Alpen. Die Akkuladung war nach 120 km auf 28% gesunken, und damit hätte ich umdrehen und mich wieder ins Bett legen können.
Stecker getauscht und , gepinkelt.
Dann geht es auf der A1 weiter Richtung Norden, also erst mal in Richtung Eifel. Um diese Uhrzeit wohl kein schwieriger Akt, aber zur Sicherheit werde ich noch einmal volltanken, um zumindest die
Etappe etwas zu verkürzen. Vom Saarland bis Hagen in NRW, meinem 2. Beweisfoto, das ich benötige, sind es etwa 270 km. Könnte ich mit einer Tankfüllung schaffen, muss aber nicht sein. Dies ist
die längste Etappe, daher habe ich sie mir auch mit einem Zwischenstopp unterteilt.
Getankt wurde dann am Rasthof Eifel Ost, noch in RLP, also ohne Wertung, aber mit Foto und Quittung.
Jetzt macht sich wieder der Kaffee bemerkbar, den ich mir vor dem Start gekocht, getrunken, nachgefüllt und dann am Lenker befestigt habe, um zwischendurch immer
einen Schluck zu nehmen. 92 km, lassen auf eine schwache Blase schließen.
Noch bin ich so guter Dinge und rauche bei jedem Pinkelgang auch noch eine selbst gedrehte Zigarette.
Eifel Ost => Hagen (NRW)
Abfahrt, 5:00, Strecke 192 km, 2:37 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 07:37
Bisher gefahren: 411 Km

Hier sind etwa 35 km der Autobahn A1 noch nicht gebaut, so dass ich zwingend über Land fahren muss.
Alternativ über die A48 nach Koblenz zu fahren hätte nichts gebracht, außer in den Höhenlagen der Eifel und des Hunsrück zu fahren.
Also lieber 35 km Wetterrisiko, als 180km nur kalt.
Und 5 km nachdem ich die A1 verlassen habe, beginnt der Totentanz. In einer Eifelserpentine rennt mir ein Dachs, verdächtig nahe am Vorderreifen entlang, um dann etwa 500 m parallel mit mir auf
der Straße um die Wette zu rennen.
Scheiße sind die Viecher schnell.
Dann kam die typische Eifelüberraschung…… Nebel zieht erst langsam über dir auf, dann herunter, und dann stehst du in der ziemlich dicken, kalten Suppe; - und das mitten im Wald…… Glück war, dass ich in der Ferne Scheinwerferlichter sah. Aber die wurde einfach nicht heller, sondern eher kleiner? Also langsam fahren und schauen. Es sind 3 Waschbären die mir vom Straßenrand zuwinkten.
Mein Tempo war zwischenzeitlich auf 50km/h gesunken, um auf Überraschungen vorbereitet zu sein. Und in einem Eifeldorf kam die Überraschung dann. Ein Ford Transit, älteres Baujahr, aber der Fahrer mit einheimischer Nummer scheint sich bestens auszukennen. Also, dranklemmen und hinterherfahren. Der Typ fuhr ziemlich flott bis kurz vor die Anschlußstelle der A1, so dass ich auch diese Teiletappe – Die Eifel – recht zügig und problemlos abhaken konnte.
Ab Euskirchen geht langsam die Sonne auf, es wird heller und der Verkehr wird etwas dichter, aber nicht zu dicht, so dass eine gute Geschwindigkeit gefahren werden konnte. Laut Tacho, 130km/h, laut Navi 123 km/h. Erstaunlicherweise ging das bis kurz vor Köln in diesem Tempo weiter. Wieviel ich geraucht und gepinkelt habe weiß ich nicht, aber es kann schon einige gewesen sein. 2:37 Stunden für die 198 km ist ein noch brauchbarer Wert.
Hagen => Dötlingen, Niedersachsen
Abfahrt, 7:37, Strecke 213 km, 2:16 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 09:53
Bisher gefahren:
624 Km

Bereits seit Leverkusen zieht sich der Himmel zu und die Sonne verschwindet hinter den dicken Nebelwolken. Die nette Dame in Hagen an der Tanke sagte mir, dass es wohl heut Mittag nicht regnet, und der Hochnebel aufreist. Nur mir nutzt das nichts.
Es ist 07:37 als ich in Hagen losfuhr. Die Straßen erstaunlich frei, ohne Stau, Unfall, Gedränge oder was man sonst noch früh Morgens antrifft.
Auch diese Etappe bis Dötlingen wurde in einem relativ gutem Zeitfenster absolviert
Das Akku ist zwischenzeitlich wieder voll und ich bin zuversichtlich. Ankunft am Rasthof gegen 09:53.
der Kaffee ist zwischenzeitlich nicht mehr heiß, aber dafür habe ich ja noch meinen Pfeffermizteebestand mit etwas Zucker.
Bisher macht sich nichts bemerkbar was darauf deuten könnte einen Abbruch der Fahrt ins Auge zu fassen.
Dötlingen => Bremen
Abfahrt, 09:53, Strecke 43 km, 0:48 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 10:41
Bisher gefahren: 667 Km

Auf, zu einer kurz Etappe nach Bremen. Ursprünglich hatte ich eine andere Tankstelle ausgesucht, aber dummerweise war dies ein Automaten TruckStop. Ok, denkt jeder, passt schon.
Nur, war das ein TruckStop. Ausschließlich Trucks. Also, entweder anstellen und Diesel tanken, oder eine andere Tanke suchen. Gesucht, gefunden, getankt, geraucht und weiter geht’s….. In Bremen war erstmals das LKW Aufkommen spürbar. Klar, der Hafen ist um die Ecke.
Bremen => Hamburg
Abfahrt, 10:41, Strecke 113 km, 1:18 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 11:59
Bisher gefahren: 780 Km

Und auf einmal, kurz nach Bremen, begann sich langsam der Hochnebel zu verziehen, so dass ich bei strahlendem Sonnenschein kurz vor 12:00 in Hamburg ankam.
Winterhandschuhe einpacken, und nach dem zweiten Pfefferminztee mit Zigarette, geht es wieder auf die Bahn zum nächsten Punkt in SchleswigHolstein, dem ehemaligen Grenzposten Gudow. Dort soll es noch auf der Südseite Richtung Berlin eine Tankstelle geben.
Diese kürzeren Etappen gaben mir schon etwas Aufwind, denn der Ordner mit den Quittungen füllt sich langsam. Aber das Fahren selbst hat, gerade ab Hamburg mit Sonne, eine ganz eigene Qualität bekommen. Ich bin in ein Fahrfieber verfallen, ohne das Ziel in der näheren Zeitspanne oder auch Entfernung auszumachen.
Hamburg => Gudow
Abfahrt, 11:59, Strecke 57 km, 0:57 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 12:50Bisher gefahren: 213 Km
Bisher gefahren: 837 Km

Auf der Südseite gibt es nur E-Säulen. Also falsche Seite, und ich musste entweder bis zur nächsten Ausfahrt fahren um dann in Schleswig-Holstein zu tanken, oder ich nehme den kleinen Dienstweg.
Ein freundlicher Beamter der BAG sagte, dass ich „den kleinen Dienstweg“ nehmen kann, nachdem ich ihm mein Anliegen geschildert habe. So konnte ich von der Südseite auf die Nordseite der A24 wechseln und tanken
Danach wieder auf die Südseite auf dem kleinen Dienstweg, einmal hupen, einmal winken, einmal Gas geben und weiter geht die Tour.
Ach, ja , Zigaretten, und Pinkelpausen habe ich zwischenzeitlich etwas reduziert. In Hagen habe ich mir Zigaretten gekauft, so dass ich keine Zeit beim Drehen verliere und die Wirkung des Kaffees ließ nach, so dass ich jetzt meinen Pfefferminztee nachfüllen kann.
Gudow => Stolpe (MeckPomm)
Abfahrt, 12:50, Strecke 80 km, 1:28 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 14:18
Bisher gefahren: 917 Km

So wie es ausschaut, habe ich die halbe Strecke absolviert und werde ab jetzt nicht mehr umkehren, wenn mich etwas beeinträchtigt. Sondern in einem Hotel vor Ort werde ich einchecken und die Tour damit abbrechen.
Die Fahrt geht bei Sonnenschein ruhig über die A24 Richtung Berlin, als auf einmal Warnlampen an der Straße aufgestellt waren und hektisch blinkten. Ich näherte mich einem Stauende, typisch in einer Kurve, und bremste ab. Alles gut, bis auf die quietschenden Reifen die ich hinter mir hörte, und den kleinen PKW der auf einmal rechts neben mir stand.
Verkehrswidrig habe ich mich dann „Ab durch die Mitte“ dünn gemacht.
Die Vollsperrung war wegen einer Baustelle, und mein Navi wusste nichts davon. War eh egal, denn eine alternative gab es nicht.
Also dann wieder auf die Landstraße und im Pulk zwischen Sattelschlepper, Transporter, Wohnanhängergespannen und eben normale PKW auf zwischenzeitlich Brandenburgs Straßen, deren Asphaltbelag gerade für einen LKW reichte. Der entgegenkommende Verkehr hatte die Schotterpiste.
Diese Situation machte mich etwas nervös und ich begann in meinem Kopf die Strecke vom Sonntag,(GEA Neuruppin => nach Hause) irgendwie in das jetzige Zeit Fenster zu bringen.
Stolpe (MeckPomm)=> Neuruppin (BB)
Abfahrt, 14:18, Strecke 93 km, 1:04 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 15:22
Bisher gefahren: 1010 Km

Nach der Betankung in Stolpe wurde ich etwas ruhiger und habe wieder dieses Gefühl der „Fahrt“ gespürt.
Einfach ein Fahren, dem am Ende kein Ziel zu folgen scheint.
Noch ganze 12:30 Stunden für weniger als die Hälfte der Strecke, das sollte irgendwie zu schaffen sein.
Ich fahre weiter.....
Meine mir bekannte Neuruppiner Tankstelle abseits der Autobahn, die ich schon von meinen früheren Besuchen her kenne, ist mein nächstes Ziel .
Neuruppin => Berlin
Abfahrt, 15:22, Strecke 70 km, 0:54 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 16:16
Bisher gefahren: 1080 Km

Ab Neuruppin ist mir die Strecke vertraut, zumal ich sie vor drei Tagen schon einmal gefahren bin.
Die 70 km habe ich in 54 Minutren absolviert, um dann im Sonnenschein der Innenstadt von Berlin an den Ampeln zu stehen.
Nicht zu vergleichen mit den 37°C in den Alpentälern, da wir ja auch 6 Wochen später sind, aber dennoch wärmt mein Leder ungemein auf.
An kurze Pausen kann ich mich nicht mehr erinnern, denn ich habe ab Berlin versucht dies alles einzuschränken um gerade Berlin und die Vollsperrung auf der A24 wieder heraus zu fahren.
Zwischenzeitlich gehe ich auch auf die 140 km/h und sitze wie in Abrahams Schoß in meinem Fernsehsessel. Nichts, außer den Daumengelenken macht sich bemerkbar. Der „goldene“ EisenArsch hält durch.
Berlin => Leipzig Schkeuditz(Sachsen)
Abfahrt, 16:16, Strecke 174 km, 1:54 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft
vor 18:10
Bisher gefahren: 1254 Km

Über die AVUS ging es raus aus Berlin in Richtung Leipzig, um mir die Sachsen Bestätigung zu holen.
Es war ruhig zu fahren, aber mit der Zeit laut im Ohr; das nächste mal nehme ich vielleicht Oropax mit.
Meine Wienerwürstchen die ich mir in die Tanktasche geklemmt habe kamen jetzt auch erstmals zum Einsatz. Übrigens, die dritte Flasche Pfefferminztee wurde gerade begonnen.
Nach 174km bin ich dann am Flughafen in Leipzig Schkeuditz angekommen, um mal wieder zu tanken.
Wie es mir geht? Erstaunlich gut, keine Wehwechen die mich zum Abbruch bewegen, angenehmer Verkehr, und auch sehr angenehme Temperaturen.
Bin ich ein Glückskind?
Ich weiß es nicht. Die Prüfung kommt erst noch. Nämlich wenn es wieder dunkel wird, im Thüringer Wald vielleicht deutlich kälter, und mir dann möglicherweise die Augen zuklappen.
Leipzig Schkeuditz => Heidegrund
(Sachsen Anhalt)
Abfahrt, 18:10, Strecke 47 km, 0:34 Std Dauer bis zum nächsten Bild,
Ankunft vor 18:44
Bisher gefahren: 1301 Km

Langsam beginnt sich die Sonne tiefer zu bewegen, was dazu führt, dass ich an manchen Stellen ehrfurchtvoll mit gesenktem Haupt fahren muss, damit die Blende am Helm ihre Daseinsberechtigung erfüllt.
Wie man bisher leicht feststellen kann, habe ich mich auf Tankstellen, sowie Kilometerzähler und Tankzettel bei meiner Fotostrecke beschränkt, so dass ich solche Momente nicht eingefangen habe.
Als ich in Heidegrund von der Autobahn heruntergefahren bin, bot sich mir ein purpurner Sonnenuntergang als Tagesabschluß.
Heidegrund (Sachsen Anhalt)=> Eisenberg (Thüringen)
Abfahrt, 18:44, Strecke 12 km, 0:28 Std
Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 19:12
Bisher gefahren: 1313 Km

Eine kurze Strecke in der beginnenden Dämmerung für den nächsten Quittungsbeweis. Also keine besonderen Vorkommnisse.
Außer dem beeindruckenden Sonnenuntergang der mich begleitete.
Eisenberg (Thüringen)=> Mellrichstädter Höhe(Bayern)
Abfahrt, 19:22, Strecke 174 km, 1:54 Std
Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 20:59
Bisher gefahren: 1489 Km

Die letzten Sonnenstrahlen sind hinter dem Horizont als ich in Eisenberg auf die Bahn starte.
So, jetzt kommt die große Gretchenfrage, denn ich bin bereits 15 Stunden auf dem Moped.
Was passiert nun, wenn es nicht mehr schön hell und warm ist?
Ich erinnere mich an die Fahrt im Mai nach Geeste, der dritten Eisenarsch Tour die ich am Stück fahren wollte.
Bis Geeste etwa 700 km, und dann zurück nach Hause nochmal 700km. Als Testfahrt für den IronButt sicher nicht schlecht, aber meine Kondition hat nicht mitgemacht. In Duisburg, nach etwa 1.000 km habe ich mir ein Hotel genommen. Damals habe ich mir eingestanden, nun ja, du bist halt schon etwas älter, da klappt nicht mehr alles so einfach.
Dann habe ich mich auch mal bei seiner Emminenz, unserem Texas , „the IronButt“ schlau gemacht, wie er denn die Tour fuhr. Denn Texas war zum Zeitpunkt seiner Fahrt auch noch 4 Jahre älter als ich. Und das geht mal gar nicht.
Danach kamen einige LDR, (LongDistanceRides) mit meinem Spezi hier aus der Region über 500 km, und dann kamen die Alpen und dann die Generalprobe, der GEA in Brandenburg am 14.08.2024.
Ich starte in die Dunkelheit und erwarte die Kälte des Thüringer Waldes und einen erbitterten Kampf gegen Müdigkeit, Tunnelblick, Langeweile und was es sonst noch gibt.

Doch nix passiert. Ich bin wieder gut eingepackt, nichts zieht irgendwo unter die Klamotten herein und die Griffheizung kann aus bleiben.
Der Thüringer Wald ist noch nicht so kalt wie die Eifel in den Morgenstunden. Aber wer weiß was noch kommt, ich habe noch ein paar Kilometer abzuspulen.
Müde bin ich nicht, genauso wie mir nichts Weh tut. Ja, es beginnt etwas Langeweile
weil man den Blick nicht mehr in die Ferne hat. Aber dafür rechnet mein Kopf alle 5 Minuten die Zeit, bis ich Zuhause ankomme und ob es mir reicht die vorgegebene Zeit einzuhalten.
Es wird knapp werden.
Doch dann kamen die Tunnels um Jena herum. Du fährst in permanent an dir
vorbeisausenden Lichtquellen und wirst langsam kirre. Allerdings war das schnell vorbei, pro Tunnel zwischen 1 und 7 km, aber dennoch, das braucht kein Mensch.
Ein paar Kilometer später eine ähnliche Nummer.
Im Scheinwerferlicht zeichnen sich quer zur Fahrbahn verlaufende Asphaltreparaturstreifen auf der hellgrauen Fahrbahn ab. Es fühlt sich an, als würde man über eine Zebraherde fahren
Doch auch hier war der Spuk nach etwa 5 km zu Ende und ich hatte wieder den Kopf für mich und meine Berechnungen frei.
Mellrichstädter Höhe(Bayern)=> Rasthof Ob der Tauber(Baden-Württemberg)
Abfahrt, 20:59, Strecke 132 km, 1:32 Std Dauer bis zum
nächsten Bild, Ankunft vor 22:31
Bisher gefahren: 1621 Km

Anscheinend habe ich doch Glück. Vollmond, so dass es eben keine Fahrt in den Scheinwerferkegel ist, angenehme Temperaturen die keine Griffheizung erfordern und dann noch am Ende der Etappe der kleiner Plausch mit dem Tankwart am Rasthof Ob der Tauber.
Ich fühl mich sauwohl.
Jetzt melde ich mich auch das erste mal bei der Familie, denn beim Tanken ist mir etwas aufgefallen.
Seit Start habe ich bereits 1.624 km gefahren, so dass ich jetzt Abbrechen könnte und den IronButt in der Tasche habe. Nur mir geht es zu gut, als dass ich jetzt abbrechen müsste.
Außerdem fehlt nur noch Hessen und dann die Heimfahrt, also etwa 200 km und ich bin zu Hause und habe die 16/24 auch in der Tasche.
Mit diesem Wissen und mit noch etwa 4 Stunden im Gepäck für 200 km brauche ich nicht mehr zu rechnen, kann noch Pausen einlegen und bin auf einmal tiefenentspannt; allerdings ohne es an der notwendigen Sorgfaltspflicht für mich und andere Verkehrsteilnehmer mangeln zu lassen.
Ums mal so zu sagen, ich war rundum zufrieden und schaltete einen Gang herunter.
Rasthof Ob der Tauber(Baden-Württemberg)=> Lorsch(Hessen)
Abfahrt, 22:31, Strecke 168 km, 2:12 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 00:43
Bisher gefahren: 1789 Km

Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Ich war fit, Mein Moped treu, das Wetter gut. Also ab nach Lorsch und dann nach Hause ins Bett.
Über Heilbronn und Walldorf schlage ich in die Zielgerade ein.
In Hockenheim habe ich nochmal eine kleine Zigarettenpause eingelegt und mir Gedanken gemacht, ob ich noch den SS2000 fahren könnte.
Also nochmal 150 km drauf und gut ist. So in etwa über Frankfurt Wiesbaden und dann nach Hause.
Geht aber nicht, da setzt die IBA einen Riegel für Novizen vor.
Die Registrierung zur Zertifikation kann nur mit einem 1.000 Meilen, oder 1.600 km Ride erlangt werden. Einen Zusatzride, wie den "Bundesländer 16/24" Ride kann man machen. Muss man aber nicht
Also, niemals überschätzen!

Ab Lorsch habe ich mich dann wirklich dezent auf den Feierabend vorbereitet. Die Strecke ist mir vertraut, nicht nur weil ich sie jedes Mal vom Stammtisch Heppenheim fahre, sondern es ist eben die Haupt Verkehrsader von Nord nach Süd, also Frankfurt – Basel, und war jahrelang der Weg zur Arbeit in FfM.
Ich komme in Hassloch - wieder erstaunlich wach -an, fülle meinen Tank, mache das obligatorische Schlussbild. Mein breites Grinsen auf dem Gesicht habe ich wieder vergessen abzulichten.
Dann fahre ich nach Hause und stelle mein Rollator in die Garage.
Nicht ohne ihn gestreichelt und Danke gesagt zu haben, setze ich mich in den Garten und stelle fest, ich bin irgendwie voll mit Adrenalin, Endorphinen oder sonst was.
Jedenfalls ist nicht an Schlafen zu denken.
Lorsch(Hessen) => Hassloch (RLP)
Abfahrt, 00:43, Strecke 55 km, 0:58 Std Dauer bis zum nächsten Bild, Ankunft vor 01:41
Bisher gefahren: 1844 Km
THE DAY AFTER
Donnerstag, 19.09.2024 ; 01:41
.. der Ride ist mit der letzten Tankrechnung am Startpunkt offiziell beendet.
Am 26.09.2024 wurde die Fahrt nun offiziell bestätigt und zertifiziert mit der IBA Nummer 86757.
Jetzt darf ich mich nicht nur "Eisenarsch" und "goldener Eisenarsch" nennen, sondern und nicht gerade ohne Stolz auch Wander_Falke, THE "IRON BUTT"
1.787 km laut Google-Maps, 1.844km laut Kilometerzähler am Moped ( z.B Vollsperrung der A24).
1.780 km in der Hall of Fame anerkannt, ( der SS1600k wurde mit 1.635km anerkannt)
23 Stunden auf dem Moped rund um Deutschland zu fahren ist sicher irgendwie bescheuert.
Aber das Doing ist das, was du fühlst und erlebst. Das kann dir niemand nehmen, erklären, oder vorschwärmen. Genauso wenig kann niemand nachfühlen oder gar beschreiben , was in dir passiert, der diese Tour nicht gemacht hat.
Allen Unkenrufen zum Trotz, „Nach dem Ride ist vor dem Ride.“
Irgendwann mache ich das nochmal………
Meine Hände, die wohl die permanente Anspannung bemängelt haben.
Im Rücken, nichts. Hatte wieder mein bewährtes Maischefass als BackRest hintendrauf.
Füße, nichts. Hatte StahlEinlagen in den Schuhen, so dass sie immer eine feste Auflage hatten.
Ellenbogen, nur die ersten 300 km, danach komischerweise nichts mehr.
Die war erstaunlich konstant vorhanden. Nur zwei Mal hatte ich Nachts ein komisches Gefühl.
- Nachts alleine in einem Tunnel in Thüringen
- Nachts ein Autobahnabschnitt mit vielen quer mit Bitumen geflickten Rissen. Als fährst du über ein Zebra
Alles rast an dir vorbei und du hast keine entfernten Bezugspunkte um das Auge zu beruhigen.
Ich habe etwas über 4 Stunden geschlafen, bevor ich gestartet bin. Auf den letzten 60km bin ich entspannt und zufrieden mit 80-90 km/h und breitem Grinsen zum Start/Endpunkt gefahren.
Da musste ich mal tief gähnen. Ich habe es geschafft, jetzt hast du Zeit, jetzt wirst du müde.
Als mir in der Eifel ein Dachs über den Weg und dann noch parallel meiner Fahrtrichtung lief.
4 paar Wiener Würstchen => 3 gegessen
3 Flaschen 0,5l gesüßten Pfefferminztee => 2,5 getrunken
1 Flasche 0,5l Wasser
3 Dosen RedBull => ab Berlin pro Stop eine getrunken
3 Magnesiumlutschtabletten gegen Krämpfe
1 Thermopott Kaffee 0,35l. (Nie wieder. Die ersten 500 km bist du nur am Pinkeln)
Anreiz den IBA SS1600k zu fahren, war der erste Club-Besuch in Brandenburg im Mai 2024 mit einer Anfahrt von etwa 700 km. Einmal hin, einmal zurück und irgendwo ein kleiner Umweg und ZACK, es
sind 1.600 km auf der Uhr.
Dann wollte ich die GEA-Tour nach Brandenburg mit der SCG Sternfahrt am 14/15.09 als IBA -
SS1600k fahren, hatte ich die Route doch bereits geplant.
Aber ich fühlte, dass ich mich nur quälen werde, zumal die Fahrt keine Vernünftige Start Ziel-Zeit gebracht hätte um beide Veranstaltungen während und nach der Fahrt ausreichend zu
genießen.
Somit blieb 2024 nur noch ein kleines Zeitfenster bis zu den Herbststürmen, in dem alles passt:
Meine Kondition muss stimmen, das Wetter sollte erträglich sein und es sollten die nächsten 2 Tage nach der Fahrt keine wichtigen Termine anstehen.
Ich weiß ja nicht wie es mir geht.
Glücklich der, der eine Frau zu Hause hat die das Spiel mitmacht und dir jederzeit grünes Licht gibt, sollte der Moment gekommen sein.
Etwas Statistik
1.780 KM, 81,41 Liter Benzin zu 157,82€,
Der Verbrauch bei meinem Rollator lag damit bei 4,4 Ltr/100km.
Eine große Schachtel Gaulloises; 20,00€
Ein Bifi aus Hockenheim.
21:42 Stunden reine Fahrtzeit laut Google Maps, allerdings ohne Tankstellensuche und BAB Sperrung etc.
22:54 Stunden dokumentierte Tourzeit, ohne Anfahrt zum Start-Endpunkt.
|
Nr |
Bundesland |
Station |
Tankzeit |
KmSTand |
Strecke in KM |
Dauer |
|
|
010 |
RLP |
Richard-Sang-Straße 1, 67454 Haßloch |
02:47 |
57520 |
|||
|
020 |
Saarl |
Baumholderstraße 47, 66629 Freisen |
03:59 |
57636 |
116 |
01:12 |
|
|
030 |
RLP |
BAB A48 Eifel-Ost, A1, 54533 Niederöfflingen |
05:00 |
57733 |
97 |
01:01 |
|
|
040 |
NRW |
Weststraße 10, 58089 Hagen |
07:37 |
57931 |
198 |
02:37 |
|
|
050 |
Niedersachsen |
Hunteweg 13, 27801 Dötlingen |
09:53 |
58144 |
213 |
02:16 |
|
|
060 |
Bremen |
Europaallee 5A, 28309 Bremen |
10:41 |
58187 |
43 |
00:48 |
|
|
070 |
Hamburg |
Amandus-Stubbe-Straße 6, 22113 Hamburg |
11:59 |
58300 |
113 |
01:18 |
|
|
080 |
Schleswig |
Raststätte Gudow Nord, 23899 Gudow |
12:50 |
58357 |
57 |
00:51 |
|
|
090 |
Meck-Pomm |
Am RTK 4, 19372 Stolpe |
14:18 |
58437 |
80 |
01:28 |
|
|
100 |
Brandenburg |
Bechliner Ch 18a, 16816 Neuruppin |
15:22 |
58530 |
93 |
01:04 |
|
|
110 |
Berlin |
Aral Heerstraße 325, 13593 Berlin |
16:16 |
58600 |
70 |
00:54 |
|
|
120 |
Sachsen |
An d. Autobahn 1, 04435 Schkeuditz |
18:10 |
58774 |
174 |
01:54 |
|
|
130 |
Sachs-Anhalt |
Autohof, Im Heidegrund S 21B, 06721 Heidegrund |
18:44 |
58821 |
47 |
00:34 |
|
|
140 |
Thüringen |
Service Station, Jenaer Str. 71, 07607 Eisenberg |
19:12 |
58833 |
12 |
00:28 |
|
|
150 |
Bayern |
Rastplatz Mellrichstädter Höhe nord |
20:59 |
59009 |
176 |
01:47 |
|
|
160 |
BaWü |
Shell, A81 Ob Der Tauber West, 97947 Grünsfeld |
22:31 |
59141 |
132 |
01:32 |
|
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170 |
Hessen |
Raststätte Lorsch Ost, A67, 64653 Lorsch |
00:43 |
59309 |
168 |
02:12 |
|
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180 |
RLP |
Richard-Sang-Straße 1, 67454 Haßloch |
01:41 |
59364 |
55 |
00:58 |
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84,98 km/H |
21:42 Std |
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Ein Erlebnis das ich aus Leidenschaft zum Motorradfahren sicher wiederholen werde.
DLzG
Andreas